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Von Winfried Kropp (SPD Konstanz) - Geschrieben am 15.03.2010, 16:06

Wie viele Nullen hat eine Milliarde? Wer ehrlich ist, muss einen Moment innehalten und kurz nachzählen. Große Zahlen sind abstrakt, wir können uns wenig darunter vorstellen. Das findet auch Hilmar Wörnle, der Chef des Stadtmarketings und eifriger Streiter für das Kongresshaus. Er hat im Modell errechnet, dass das Kongresshaus jeden Konstanzer nur etwa 2,50 Euro im Monat kostet. “Das können wir uns leisten,” - diesen Schluß soll diese Zahl bei uns auslösen.

Selbstverständlich ist es zulässig, große Zahlen anschaulich zu präsentieren. Wer jedoch große Zahlen durch willkürliche Werte dividiert, damit sie niedich und klein werden, will täuschen. Dies gilt im umgekehrten Fall ähnlich: Wer erschrecken will, multipliziert einfach Zahlen, um auf richtig hohe Werte zu kommen. Pro-Kopf-Zahlen benötigen einen Vergleichsmaßstab, damit sie etwas aussagen.

Rechnen wir also nach: Eine Investition in Höhe von 65 Millionen Euro für das Kongresshaus kostet umgerechnet jeden der Konstanzer Bürger: 785 Euro. Im Jahr 2010 kann die Stadt insgesamt etwa 2840 Euro pro Einwohner ausgeben: Damit bezahlt sie ihr Personal, die Heizung in den Schulen, Zuschüsse und Investitionen für die Kinderbetreuung. Das Haus auf Klein Venedig frisst also über ein Viertel des jährlichen Büdgets der Stadt auf, das Projekt ist etwa drei Mal so teuer wie alle Investitionen der Stadt pro Jahr zusammengerechnet.

Und die laufenden Kosten? Mindestens 52 Millionen müssen vom Kapitalmarkt kommen. Das macht bei 2 Prozent Tilgung und 4,5 Prozent Zins (so rechnet die Stadt) und dem geplanten Betriebskostenzuschuss 3,7 Millionen Euro: Verniedlicht heruntergerechnet sind das 3,72 Euro pro Bürger und Monat. Vergleichen wir: die Kinderbetreuung wird zur Zeit mit ca. 13 Euro monatlich pro Einwohner unterstützt. Der Aufwand für die laufenden Kongresshauskosten entspricht den Zuschüssen für etwa 850 Kindergarten- und -krippenplätze.



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